Funktionen
Branchen
Digitaler Produktpass Referenzen
Mehr
Login

← Ratgeber · Werksprüfung

Werksprüfung Stand: 20. Juni 2026

Was ist die WPK nach EN 1090? Grundlagen für Metallbauer

Was ist die WPK nach EN 1090? Grundlagen für Metallbauer

Wer tragende Bauteile aus Stahl oder Aluminium herstellt, kommt an der CE-Kennzeichnung nach EN 1090 nicht vorbei. Grundlage dafür ist die werkseigene Produktionskontrolle, kurz WPK. Sie ist kein einmaliges Zertifikat, sondern ein dauerhaftes System, mit dem ein Betrieb nachweist, dass seine Fertigung die normativen Anforderungen erfüllt. Dieser Beitrag erklärt herstellerneutral, was hinter der WPK steckt, welche Pflichten daraus folgen und wie sich der laufende Nachweis praktisch organisieren lässt.

Was bedeutet WPK und warum verlangt EN 1090 sie

WPK steht für werkseigene Produktionskontrolle. Gemeint ist die dauerhafte, dokumentierte Eigenüberwachung der Fertigung durch den Hersteller selbst. Der Betrieb legt fest, wie er Material, Schweißprozesse, Maßhaltigkeit und Endprüfungen kontrolliert, und weist nach, dass er diese Vorgaben tatsächlich einhält.

Hintergrund ist die europäische Bauproduktenverordnung. Sie verlangt für Bauprodukte, die unter eine harmonisierte Norm fallen, eine Leistungserklärung und die CE-Kennzeichnung.1 Für tragende Stahl- und Aluminiumbauteile ist EN 1090-1 die maßgebliche harmonisierte Norm. Die WPK ist dabei das Verfahren, das die gleichbleibende Qualität der Fertigung absichern soll. Ohne funktionierende WPK gibt es keine gültige CE-Kennzeichnung und damit, formal betrachtet, kein verkehrsfähiges Produkt.

Die Normenreihe ist dreiteilig aufgebaut: EN 1090-1 regelt den Konformitätsnachweis und die Anforderungen an die WPK, EN 1090-2 behandelt die technische Ausführung von Stahltragwerken und EN 1090-3 die von Aluminiumtragwerken.2 Die WPK verknüpft also die organisatorischen Pflichten mit den konkreten Ausführungsregeln.

System 2+: Aufgabenteilung zwischen Hersteller und notifizierter Stelle
System 2+: Aufgabenteilung zwischen Hersteller und notifizierter Stelle

Seit wann gilt die CE-Pflicht für tragende Bauteile

Die CE-Kennzeichnung tragender Stahl- und Aluminiumbauteile ist seit dem 1. Juli 2014 verpflichtend.3 Seit diesem Stichtag dürfen entsprechende Bauteile nur noch in Verkehr gebracht werden, wenn der Hersteller über eine zertifizierte WPK verfügt und eine Leistungserklärung ausstellt.

Die Pflicht betrifft mehr Betriebe, als oft angenommen wird. Sie greift nicht erst bei Stahlhallen oder Brücken, sondern bereits bei vielen Bauteilen aus dem alltäglichen Metallbau, etwa tragenden Geländern, Vordächern oder Stahlunterkonstruktionen, sofern sie eine tragende oder aussteifende Funktion im Bauwerk übernehmen. In Deutschland sind nach Angaben des Fachverbands Metall Bayern rund 8.611 Betriebe für Stahl und 1.056 für Aluminium nach EN 1090 zertifiziert (Stand 2024).3 Diese Zahlen stammen aus einer freiwilligen Datenbank und sind laut Verband eher als Untergrenze zu verstehen.

Konformitätssystem 2+ einfach erklärt

EN 1090-1 arbeitet mit dem sogenannten System 2+ der Konformitätsbewertung.1 Das klingt technisch, beschreibt aber im Kern eine Aufgabenteilung zwischen Hersteller und einer notifizierten Stelle. Vier Bausteine gehören dazu:

  • Erstprüfung der WPK durch den Hersteller: Der Betrieb baut sein Kontrollsystem auf und dokumentiert es.
  • Laufende werkseigene Produktionskontrolle: Im Tagesgeschäft prüft und dokumentiert der Hersteller fortlaufend selbst.
  • Erstzertifizierung der WPK: Eine notifizierte Stelle prüft das System und stellt das WPK-Zertifikat aus.
  • Fortlaufende Fremdüberwachung: Die notifizierte Stelle überwacht die WPK in regelmäßigen Abständen weiter.

Auf Basis der zertifizierten WPK erstellt der Hersteller die Leistungserklärung und bringt die CE-Kennzeichnung an.2 Die Verantwortung für die laufende Konformität liegt also beim Betrieb, die unabhängige Stelle prüft die Wirksamkeit des Systems.

Ausführungsklassen EXC1 bis EXC4: steigende Anforderungen
Ausführungsklassen EXC1 bis EXC4: steigende Anforderungen

Ausführungsklassen EXC1 bis EXC4

EN 1090 unterscheidet vier Ausführungsklassen, EXC1 bis EXC4. Sie bestimmen, wie streng Fertigung, Prüfung und Dokumentation ausfallen müssen. EXC1 steht für niedrige Anforderungen, EXC4 für die höchsten, etwa bei Bauwerken mit großen Folgen im Versagensfall.

Die Zuordnung eines Bauteils zu einer Ausführungsklasse ergibt sich aus mehreren Faktoren, unter anderem der Schadensfolgeklasse, der Beanspruchungsart und der Herstellungskategorie. In Deutschland regelt die DIN EN 1993-1-1/NA die Zuordnung von Stahlbauteilen zu den Ausführungsklassen.4 Die Handwerkskammer der Pfalz empfiehlt, die maßgebliche Ausführungsklasse bereits vor Auftragsannahme schriftlich zu bestätigen.4 Das ist ein praktischer Rat: Wird die Klasse erst spät geklärt, kann sich der Prüf- und Dokumentationsaufwand nachträglich erheblich erhöhen.

Auch die Anforderungen an die Schweißqualifikation steigen mit der Ausführungsklasse.2 Wer überwiegend in höheren Klassen fertigt, sollte das früh in die Personal- und Prozessplanung einbeziehen.

Was die Fremdüberwachung praktisch bedeutet

Die Fremdüberwachung durch die notifizierte Stelle erfolgt mindestens jährlich.3 Bei höheren Ausführungsklassen wie EXC3 oder EXC4 können häufigere Prüfungen erforderlich werden.3 Im Audit schaut die Stelle, ob die WPK im Alltag tatsächlich gelebt wird, nicht nur, ob sie auf dem Papier existiert.

Geprüft werden typischerweise die Vollständigkeit der WPK-Dokumentation, die Rückverfolgbarkeit von Material und Bauteilen, Schweißnachweise, Prüfprotokolle und die Ausstellung der Leistungserklärungen. Hier zeigt sich, ob die Nachweise auffindbar und nachvollziehbar abgelegt sind. Wenn Unterlagen in verschiedenen Ordnern, E-Mail-Postfächern und Excel-Listen verteilt liegen, wird das Audit schnell mühsam und zeitraubend.

BauPVO und EN 1090: von der Verordnung zur Ausführung
BauPVO und EN 1090: von der Verordnung zur Ausführung

Welche Kosten realistisch entstehen

Die Kosten lassen sich nicht pauschal angeben, weil sie von Betriebsgröße, Ausführungsklasse und Umfang der Fertigung abhängen. Als grobe Richtwerte und ausdrücklich projektabhängige Schätzung nennt eine Branchenquelle ein laufendes Überwachungsaudit von etwa 1.500 bis 3.000 Euro pro Jahr sowie eine Erstzertifizierung von etwa 2.000 bis 8.000 Euro.5 Diese Werte stammen aus einer Anbieter- beziehungsweise Fachblogquelle und sind eher als Orientierung denn als verbindliche Preisaussage zu lesen.

Hinzu kommen interne Aufwände, die häufig unterschätzt werden: die Zeit für den Aufbau des WPK-Systems, die Schulung des Personals, die Schweißqualifikationen und der laufende Dokumentationsaufwand im Tagesgeschäft. Gerade dieser laufende Aufwand entscheidet darüber, ob die jährliche Fremdüberwachung reibungslos verläuft oder zur jährlichen Großbaustelle wird.

WPK-Nachweise digital organisieren

Der größte Hebel liegt selten im einzelnen Prüfschritt, sondern in der Organisation der Nachweise. Wer Prüfvorgaben einheitlich hinterlegt und jeden Nachweis sauber dem Bauteil oder der Charge zuordnet, spart sich beim Audit das Zusammensuchen.

Genau hier setzt Elemente ID an. Prüfvorgaben lassen sich als konfigurierbare Prüfpläne hinterlegen, Nachweise werden je Bauteil oder Charge erfasst und revisionssicher abgelegt. Das Prüfungsmodul hilft dabei, die Unterlagen für die jährliche Fremdüberwachung vollständig und auffindbar zu halten, statt sie über Ordner und Tabellen zu verteilen. Über einen QR-Code am Produkt lässt sich die zugehörige Dokumentation einem konkreten Bauteil zuordnen und später wiederfinden. Auf diese Weise unterstützt das System die normkonforme Dokumentation, ohne die fachliche Verantwortung des Betriebs zu ersetzen.

Ein gut organisiertes WPK-System zahlt sich doppelt aus. Es reduziert den Stress vor dem Audit und schafft zugleich eine belastbare Grundlage, um Anforderungen wie einen künftigen digitalen Produktpass vorbereitend abzudecken.

Häufige Fragen

Brauche ich als kleiner Metallbaubetrieb wirklich eine WPK?

Sobald Sie tragende Stahl- oder Aluminiumbauteile herstellen, die unter EN 1090-1 fallen, gilt die CE-Kennzeichnungspflicht und damit die WPK. Entscheidend ist die tragende oder aussteifende Funktion des Bauteils, nicht die Größe Ihres Betriebs. Im Zweifel klären Sie die Einstufung vor Auftragsannahme.

Wie oft wird die WPK von außen überprüft?

Die Fremdüberwachung durch eine notifizierte Stelle erfolgt mindestens einmal jährlich.3 Bei höheren Ausführungsklassen wie EXC3 und EXC4 können zusätzliche Prüfungen nötig werden.3

Was passiert ohne zertifizierte WPK?

Ohne zertifizierte WPK können Sie keine gültige CE-Kennzeichnung anbringen und keine Leistungserklärung ausstellen. Die betroffenen Bauteile sind dann formal nicht verkehrsfähig, was zu Reklamationen, Nacharbeit und im Streitfall zu Haftungsfragen führen kann.

Wer legt fest, welche Ausführungsklasse für mein Bauteil gilt?

Die Ausführungsklasse ergibt sich aus der statischen Bemessung und den Randbedingungen des Bauwerks. In Deutschland richtet sich die Zuordnung von Stahlbauteilen nach DIN EN 1993-1-1/NA.4 Lassen Sie die maßgebliche Klasse möglichst vor Auftragsannahme schriftlich bestätigen.4

Hilft eine digitale Lösung beim WPK-Nachweis?

Eine digitale Ablage ersetzt nicht die fachliche Prüfung, kann aber den Dokumentationsaufwand spürbar reduzieren. Werden Prüfpläne zentral hinterlegt und Nachweise je Bauteil erfasst, liegen die Unterlagen für die Fremdüberwachung geordnet vor. Das unterstützt eine vollständige und nachvollziehbare Dokumentation.

Quellen

  1. Verordnung (EU) Nr. 305/2011 (Bauproduktenverordnung, BauPVO), Europäisches Parlament und Rat der EU, eur-lex.europa.eu
  2. CE-Kennzeichnung nach EN 1090-1 und der Bauproduktenverordnung sowie Aufbau der Normenreihe, bauforumstahl e.V. / IFW Jena, bauforumstahl.de
  3. Zertifizierung nach DIN EN 1090 immer noch aktuell, Fachverband Metall Bayern, fachverband-metall-bayern.de
  4. Infoblatt EN 1090: Zuordnung von Stahlbauteilen zu den Ausführungsklassen EXC1 bis EXC4, Handwerkskammer der Pfalz, hwk-pfalz.de
  5. Was ist EN 1090 (Kostenrichtwerte), StahlNorm, stahlnorm.de

Bringen Sie Ihre Produktdaten in Form

In einer kostenlosen, unverbindlichen Live-Demo zeigen wir Ihnen in 30 Minuten, wie Sie Dokumentation, Nachweise und den digitalen Produktpass ohne Papierkrieg aufstellen.